Wetterwarte Brocken
Seit 1895 gibt es auf dem Brocken eine Wetterwarte.
Aber auch vorher machten viele naturwissenschaftliche Forscher den Brocken zum Zielobjekt
ihrer Arbeiten. So nutzte auch Goethe im Dezember 1777 die meteorologischen Eindrücke,
die er auf dem Brocken gewann, für seine Farbenlehre. Damit machte er zudem
den Namen Brockengespenst weltberühmt, denn aufgrund des charakteristischen dichten
Brockennebels wird der Beobachterschatten besonders groß und eindrucksvoll auf die aus
unzähligen Wassertröpfchen bestehenden Nebelleinwand projiziert und hat schon manchen
Wanderer in die Flucht geschlagen.
Carl Wilhelm von Oesfeld, Chef der trigonomischen Abteilung des preußischen Generalstabs,
führte 1820 einen Monat lang auf dem Brocken stündliche Luftdruckmessungen durch und gab
letztlich den Anstoß zu ständigen meteorologischen Messungen auf dem Berg. Von 1836 bis
1850 beobachtete der Brockenadministrator Claus Eduard Nehse im Auftrag des Grafen von
Wernigerode und ab 1847 des Königlich Preußisch Meteorologischen Instituts täglich das
Wetter, Temperatur, Wind und übrige sich ereignende Merkwürdigkeiten. Nach
1859 konnte leider niemand mehr gefunden werden, der die Wetteraufzeichnungen fortsetzte,
deshalb setzten Dr. G. Hellmann und Dr. R. Aßmann alles daran, um den Bau eines
Bergobservatoriums durchzusetzen. Im September 1895 konnte schließlich ein zweistöckiger
Holzneubau bezogen werden. Da das Gebäude jedoch mit der Zeit wetterbedingte Mängel
aufwies und zu klein wurde, entstand 1913 nebenan ein steinerner fünfstöckiger Neubau.
Im April 1945 wurde das neue Gebäude durch Bomben erheblich in Mitleidenschaft gezogen
und der alte Gebäudeteil komplett zerstört. Für zwei Jahre besetzten anschließend die
Amerikaner die Wetterwarte, so dass die meteorologischen Beobachtungen ruhen mussten.
Bevor die Amerikaner auf Drängen der Russen abzogen, demolierten sie die
Brockenwetterwarte restlos und entnahmen das gesamte Instrumentarium. Nach
vorübergehendem Bezug einer provisorisch aufgestellten Hütte konnten die Beobachtungen
im September 1947 wieder aufgenommen werden. In den Folgejahren wurde auch die Wetterwarte
nach und nach wieder instand gesetzt.
Die Aussicht vom Gipfel des Brockens reicht bei klarer Sicht über 240 km. Die
vorherrschende Wetterlage auf dem Gipfel ist allerdings Schnee, Regen und Nebel, so dass
diese Sicht nur an wenigsten Tagen des Jahres gegeben ist. Um genau zu sein, ist der
Brocken mehr als 300 Tage im Jahr, davon etwa 130 Tage ganztägig von Wolken und Nebel
eingehüllt. Aufgrund am Harz angestauter feuchter atlantische Luftmassen regnet es etwa
230 Tage auf dem Gipfelplateau, insgesamt fallen im Jahresmittel 1610 mm Niederschlag.
Schneefrei ist der Brocken nur von Juni bis September, aber selbst im August steigen die
Temperaturen kaum über +10°C. Es kommt häufig zu abrupten und vehementen
Wetterumschwüngen, Stürme können Geschwindigkeiten bis zu 260 km/h erreichen und im
Winter in kürzester Zeit meterhohe Schneewände auftürmen.
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